Unser pflegerisches Denken und Handeln sieht den Mensch als ein Individuum an, das durch sein soziales und kulturelles Umfeld geprägt ist. Diese Sichtweise ist die Voraussetzung für unser Verständnis seiner Empfindungen und Bedürfnisse im körperlichen, geistigen, emotionalen und spirituellen Lebensbereich.
Pflege besteht aus dem Einsatz von beruflichem Wissen und Können, sowie dem Aufbau einer vertrauensvollen und professionellen Beziehung.
Diese wird auf die individuellen Bedürfnisse der zu betreuenden Menschen bestmöglich abgestimmt. Gesundheit und Krankheit sehen wir als ein komplexes, dynamisches Zusammenspiel von subjektiver Befindlichkeit und objektivem Zustand eines Menschen. Wir bemühen uns, den Menschen in seiner aktuellen Lebenssituation mit seinen Stärken und Schwächen anzunehmen, zu unterstützen und zu begleiten.
In dieser Auseinandersetzung mit Krank sein, Gesund werden, Krank bleiben und Sterben fördern wir die Selbstständigkeit, Eigenverantwortlichkeit und Entscheidungsfindung des zu pflegenden Menschen unter Berücksichtigung seiner Fähigkeiten und seiner mit ihm zusammen abgestimmten ureigenen Bedürfnissen.
Hierbei orientieren wir uns am Pflegemodell nach Monika Krohwinkel, da unserer Ansicht nach im Bereich der ambulanten Versorgung dieses Modell den Bedürfnissen des zu pflegenden Menschen weitgehend gerecht wird und unserer Vorstellung von ambulanter häuslicher Pflege entspricht.
Nach Krohwinkel wird menschliches Verhalten durch 13 lebensnotwendige Aktivitäten charakterisiert:
Jede einzelne Aktivität muss im Zusammenhang mit den Anderen betrachtet werden, da Einschränkungen in einem Bereich mit Problemen in einem anderen Bereich einhergehen können.
Eine weitere Komponente ist die Lebensspanne:
Während sich eine Person entlang der Lebensspanne bewegt, verändert sie sich ständig und jeder Lebensaspekt wird durch verschiedenste Umstände beeinflusst, die ein Leben lang immer wieder in Erscheinung treten.
Die zweite wichtige Komponente in diesem Modell ist das Abhängigkeits- Unabhängigkeit- Prinzip:
Dieses Prinzip ist eng mit den Lebensaktivitäten und der Lebensspanne verbunden, denn es gibt Abschnitte der Lebensspanne, während derer jemand bestimmte Lebensaktivitäten noch nicht (oder aus verschiedenen Gründen nicht mehr) selbstständig ausführen kann. Wir bewegen uns bei unserem Handeln in dem Bereich dieses Abhängigkeits- Unabhängigkeits- Prinzips für jede Lebensaktivität, mal mehr in die eine Richtung, mal mehr in die Andere, den jeweiligen Umständen entsprechend.
Wir erstellen einen Biographiebogen in dem persönliche Daten und wichtige Lebensereignisse, z.B. Tod des Ehepartners, Krankheitsgeschichte, Krieg, Anzahl der Kinder usw. aufgenommen werden, um den Pflegekunden in seiner Ganzheitlichkeit zu erfassen und unserem Berufsbild entsprechend ist es für uns ebenso wichtig die besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten des Pflegekunden zu kennen. Sie sind die Ressourcen, die wir in unserer Pflege nutzen und mobilisieren.
Wir unterstützen im Rahmen der Gesundheitsvorsorge den Menschen seine eigenen Anliegen zu erkennen, zu definieren und selbst aktiv zu werden. Der Pflegeprozess strukturiert die Abläufe des eigenverantwortlichen Bereichs der Pflege und schafft den Rahmen für unser gemeinsames Handeln. Die Dokumentation der Pflege nach den Schritten des Pflegeprozesses ermöglicht eine Kontinuität bei der pflegerischen Betreuung, den Nachweis der Wirksamkeit der Pflege, einen Gewinn an fachspezifischem Wissen, rechtliche Absicherung und den Nachweis der pflegerischen Leistung.
Wissenschaftliche Erkenntnisse sind die Basis unseres pflegerischen Handelns, wobei wir durch Reflexion und Evaluation unserer Arbeit weiterführende Forschung unterstützen. Wir fördern und sichern die Qualität der Pflege durch Projekte in interdisziplinär besetzten Arbeitskreisen. Wirtschaftlichkeit und Umweltbewusstsein sind wichtige Aspekte in unserem gemeinsamen pflegerischen Denken und Handeln.
